Nepal – Tag 18-21

Nepal -  Tag 18-21

Der Tag begann für uns schon sehr früh am Morgen. Bereits um 6:00 Uhr hieß es: Alle Mann an Board! Oder besser gesagt, alle in den Jeep. Dieser 9-Sitzer sollte für die nächsten 1 1/2 Tage unser Zuhause werden, denn so lange würde die knapp 330 km lange Fahrt in den Rara Nationalpark wohl dauern. Zu unserem Glück waren wir die einzigen Fahrgäste und so saßen wir wenigstens nicht zu elft in dem ohnehin schon sehr engen Gefährt. Glücklicherweise wurden wir auf dem ganzen Trip von Hissey begleitet. Hissey, auch ein Glaubensbruder, stammt gebürtig aus dem Distrikt in welchem der Nationalpark liegt und kennt diese Gegend wie seine Westentasche.

Unser neuer Freund sorgte an diesem noch sehr jungen Tag bereits für gute Laune im Jeep und so starteten wir voller Vorfreude in das Abenteuer.
Doch schon nach wenigen Kilometern war die gute Laune der Teammitglieder passé. Die Kurvenreiche Strecke, die schlechten Straßenverhältnisse und der sehr aggressive Fahrstil des Fahrerers gaben den, von den vorherigen Strapazen ohnehin schon gereizten Mägen, ihr Übriges. Da halfen dann auch nurnoch die nepalesischen Reisetabletten, deren Inhaltstoffe uns genauso unbekannt waren wie ihre Risiken und Nebenwirkungen. Und kein Arzt oder Apotheker weit und breit den man hätte fragen können. Nach der ersten Pause und etwas Nahrung im Bauch hob sich das Wohlbefinden im Team wieder etwas an und so konnte die nicht enden wollende Fahrt vorerst weitergehen.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den Distrikt „Jumla“, der letzte vor unserem Zieldistrickt „Mugu“. Jumla ist nicht nur für seine schöne Landschaft, sondern leider auch für die sehr schlechte Straßen bekannt. Der Begriff „Straße“ ist an dieser Stelle wohl etwas ihrreführend, denn befestigte Wege oder gar Asphalt sucht man hier vergebens. Vielmehr ist die Fahrbahn ein einziges Schlammbad mit tiefen Furchen und großen Pfützen. Dementsprechend wurde auch die Fahrt zu einer Holpertour die ihresgleichen sucht. Wie es kommen musste, blieben wir nach kurzer Zeit im Schlamm stecken. Mit vereinten Kräften war der Jeep schnell wieder fahrtüchtig und zur Sicherheit gingen wir ein Stück des Weges zu Fuß weiter. Viel weiter sind wir aber auch nicht mehr an diesem Tag gekommen, da schon nach wenigen Metern ein feststeckender Bus die Fahrban blockierte. Da es schon dunkel geworden war, verbrachten wir die Nacht kurzerhand in einer nahegelegenen Herberge. Dort gab es unter dem Dach einen trockenen Platz zum Schlafen und eine warme Mahlzeit. Am nächsten Morgen standen wir wieder früh auf und es ging weiter voran auf der Huckelpiste. Nach 7 Stunden Fahrt hieß es dann plötzlich: „Alles austeigen, den Rest müssen wir zu Fuß weiterlaufen!“. Also wurden die Rucksäcke geschultert und dann ging es steil bergauf: 500 Höhenmeter auf 3000 Meter. Nach 4 Stunden Wanderung waren wir endlich da, es waren nur noch ein paar Schritte aus dem dichten Kiefernwald heraus und dann lag Er plötzlich vor uns. Still und tiefblau zog sich der gigantische Rara-See über die Ebene, umrahmt von dunkelgrünen Wäldern und Schneebedeckten Gipfeln im Hintergrund. Der Anblick war einfach überwältigend. Nach weiteren 1 1/2 Stunden am Wasser entlang kamen wir sehr müde und erschöpft, aber glücklich an unserem Guesthouse an. Der Gastvater empfing uns mit heißem Tee und wir bezogen rasch unsere Zimmer. Die ganze Herberge war, entgegen aller Erwartungen, sehr gepflegt und gemütlich. Da alles aus groben Holz gefertigt war, hatte die ganze Szenerie schon fast einen alpinen Charme. Das Essen an diesem Abend war außergewöhnlich gut. Es gab, wie sollte es auch anders sein, das Nationalgericht Dal-Bat. Diesesmal allerdings mit einer Lokalen Besonderheit: rosa Reis, dem „Reis der Könige“.

Der nächste Tag lag unter einer dicken Regendecke verborgen und so nutzten wir Ihn einfach zur Erholung und Regeneration. Eine Erkältungswelle wogte langsam durch das ganze Team und so kam uns die Zwangspause sehr entgegen. Leider war auch der nachfolgende Tag von einigen Regenschauern durchzogen, doch davon ließen wir uns die geplante Schlauchboottour über den Rara-See nicht vermiesen. Warm angezogen und in Regencapes gehüllt wurden wir von dem Rangerteam über das unantürlich blaue Wasser gerudert. Laura und Lukas hatten Dharmendra, einen der Parkranger, bereits bei ihrem ersten Besuch vor 3 Jahren in Kathmandu kennengelernt. Auf seine Einladung hin hatten wir auch überhaupt erst die beschwerliche Reise in den Nationalpark auf uns genommen. Entsprechend groß war seine Freude uns alle zu treffen und seine Freunde aus Deutschland wiederzusehen. Die Bootsfahrt versüßten wir uns durch das Gegenseitige vortragen von Volksliedern. Es war ein witziges Beisammensein und eine Völkerverständigung der besonderen Art. Den Abend verbrachten wir mit Gemeinschaft, gutem Essen und Gesellschaftspielen im Kaminzimmer der Herberge.

   

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