Balkan – letzte Tage

Teambild

Am Dienstag fuhren wir nach dem Frühstück mit der Straßenbahn vom Stadtrand ins Zentrum von Sarajevo. Schon unterwegs wies uns Rebecca, die hier aufgewachsen ist, auf einige bedeutungsvolle Orte hin. Anschließend kosteten wir „Pita“, eine lokale Spezialität aus Blätterteig mit vielfältigen Füllungen und Sauerrahm. Es hat durchaus Potenzial, in unsere Top 3 aufzusteigen 😉

In der Innenstadt führte uns dann ein Student zu verschiedenen Märkten, religiösen Gebäuden und historischen Schauplätzen. Vordergründig zeigt sich Sarajevo als geschäftige Großstadt, wie man sie auch in anderen Ländern findet. Mit einem sensiblen Blick trifft man jedoch auch noch auf zahlreiche Kriegsspuren aus der Mitte der 90er Jahre.

 

Am Abend waren wir zu einem Treffen mit Studenten in eine evangelische Gemeinschaft eingeladen. Normalerweise erreicht sie über Deutschkurse etliche Nichtchristen. Aufgrund der Semesterferien kamen leider nur wenige Studenten. Dennoch konnten wir den interkulturellen Austausch durch einige Kennenlernspiele und Gespräche fördern.

Der Mittwoch begann mit dem morgendlichen Gebet, das täglich in dem Gebetshaus stattfindet, neben dem wir untergebracht sind. Unsere Gastgeber erzählten uns, dass das Haus zu Kriegszeiten einst eine zentrale Rolle spielte und wie es vor etwa zehn Jahren zu einem Treffpunkt für die Missionare in der Umgebung wurde. Leider ist die Zukunft des Gebetshauses ganz aktuell offen und Klarheit darüber, wie es weitergeht, ein wichtiges Gebetsanliegen.

Die meisten Missionare sprechen hier oft von einem „harten Boden“. Bosnien-Herzegowina ist regional sehr unterschiedlich geprägt, Sarajevo ist vorwiegend moslemisch. Christliche Gemeinden gibt es insgesamt nur selten. Auch hierzulande ist eine Stimmung zwischen Tito-Nostalgie, Gleichgültigkeit (z.B. gegenüber Korruption), schlichtem Fernweh sowie Kriegswunden in den Köpfen spürbar. Mission läuft deshalb vor allem über langfristigen, vorsichtigen Beziehungsaufbau. Da überrascht es kaum, dass selbst die ansässigen Missionare und wenigen Gemeindeleiter häufig von der Resignation angesteckt werden, zumal wir von ihnen oft auch von persönlichen Rückschlägen gehört haben. Die meisten Missionare sind außerdem der Meinung, dass sich nachhaltige Veränderungen im Land am ehesten dadurch entwickeln könnten, dass junge Bosnier zunächst im Ausland über den Tellerrand schauen und nach einigen Jahren mit wertvollen persönlichen und beruflichen Erfahrungen in ihre Heimat zurückkehren.

Am Nachmittag bereiteten wir fünf Bleche Apfel- und Pflaumenkuchen zu, nicht nur, um damit Mirjam eine Freude zu ihrem Geburtstag zu machen, sondern auch als Türöffner für unseren Besuch in einer nahen Roma-Siedlung. Als wir dort ankamen, rannte gleich eine Horde Kinder auf uns zu. Im Hintergrund standen ca. sechs Hütten, die aus unserer Sicht recht provisorisch zusammengeflickt schienen, aber jeweils einen Ofen hatten.

Nachdem wir den Kuchen verteilt hatten, fingen wir an, mit den Kindern Fangen zu spielen. Dabei waren sie uns aufgrund ihrer Ortskenntnis und ihrer Bereitschaft, barfuß über sämtlichen Müll zu rennen (inclusive zahlreicher Glasscherben) überlegen. Sie waren sehr fröhlich und man merkte, dass sie den Moment genießen.

Auf der anderen Seite war es auch ein kleiner Kulturschock für uns, die wir unseren westlichen Lebensstil gewöhnt sind und viel Wert auf Effizienz, zielgerichtete Arbeit und Weiterentwicklung legen. Dort scheint das Leben zu stagnieren und keinerlei Perspektive da zu sein, außer sich um die Familie zu kümmern. Allerdings erklärte uns eine Mitarbeiterin, die schon jahrelang mit Roma zusammenarbeitet, dass die Siedlung, in der wir waren, eine der schlechteren ist und es auch weiterentwickelte gibt.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Gastfreundschaft. Unsere Idee war es, die Missionare mit ihren Familien zum Essen einzuladen, dadurch unseren Dank auszudrücken und gleichzeitig eine gemütliche Plattform für den Austausch zwischen allen Beteiligten zu bieten. Außerdem konnten wir auf Gott hören und prophetische Eindrücke weitergeben, die spezifische Durchbrüche ankündigten. Zum ausgedehnten Frühstück waren zwei Ehepaare zu Gast, zum Zwei-Gänge-Abendessen in Gartenparty-Atmosphäre dann nochmal drei Ehepaare und etwa ein Dutzend Kinder. Später schlossen wir den Tag mit einem Lobpreisabend ab.

Zwischen den beiden Mahlzeiten konnten wir noch einen der Missionare an seinem Arbeitsplatz an einer internationalen Universität besuchen. Die Begehung des modernen Campus hat uns echt begeistert, weil er einen deutlichen Kontrast zu der zuvor beschriebenen Perspektivlosigkeit darstellt. Sowohl die Architektur, als auch die akademischen und wirtschaftlichen Projekte an der Uni sprühen vor Kreativität, Innovation und Aufschwung. Es ist unsere Hoffnung, dass die dort angestellten und ausgebildeten Menschen einen guten Einfluss auf ihre Nächsten und ihr Land nehmen.

Neben der entspannten Zeit und den prägenden Begegnungen, die dieser Tag auch für unser Team gebracht hat, sind wir froh, erneut den passenden Zugang zu den Leuten vor Ort in ihren besonderen Situationen gefunden zu haben. Danke, Jesus!

An unserem letzten Tag in Bosnien-Herzegowina statteten wir einem weiteren Projekt in einem Dorf nahe Sarajevo einen Besuch ab. Wir fuhren zu einem Haus, das 15 Jahre lang ein Rehabilitationszentrum für Drogen- und Alkoholabhängige Männer war. Seit diesem Jahr ist es allerdings nicht mehr in Betrieb, da es für das leitende Ehepaar zu viel Arbeit wurde.

Das Grundstück ist ziemlich groß und es fällt somit viel Arbeit an. Wir konnten uns austoben beim Rasenmähen, Hecke schneiden und Kuh Laura streicheln. Mittags gab es Schweizer Kässpatzen, was unserer Allgäuerin Bella sehr gut gefiel und wir hatten die Möglichkeit, noch mehr über die derzeitige Situation des Ehepaars zu erfahren. Bevor wir uns gegen fünf Uhr verabschiedeten, konnten wir noch für sie beten.

Wenn ihr diesen Blog-Eintrag lest, sind wir entweder gerade auf dem Rückweg von unserem Roadtrip durch Südost-Europa oder bereits wieder in Deutschland. Unser Bild von den Balkanländern mit ihren Menschen, von Gemeindeaufbau und Langzeitmission sowie von unserem Team ist in den letzten zwei Wochen enorm gereift. Es ist echt besonders, dass wir so viel liebevolle Gastfreundschaft erfahren haben, und gleichzeitig auf viele vorbereitete Möglichkeiten gestoßen sind, durch die wir andere ermutigen konnten. Wir sind dankbar, dass wir so viele abwechslungsreiche Aufgaben ausprobieren durften.

Gott hat uns in dieser Zeit durch alle Höhen und Tiefen begleitet, wodurch unser Vertrauen mehr denn je gewachsen ist. Aber sein Plan ist größer und wir sind voll gespannter Erwartung, was er aus dieser Reise auch im weiteren Verlauf noch machen möchte. Wir werden unsere intensiven Eindrücke bestimmt noch mehrmals Revue passieren lassen, gerne auch im persönlichen Austausch mit euch. Seid gesegnet!

Euer Balkan-Team

 

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